in Zusammenarbeit mit Kaimon Thürk
Ausstellung: STUDIOLO, Berlin, 2019
Manche Architekturen entstehen nicht durch Addition von Material, sondern durch eine einzige Bewegung: das Entfalten einer Fläche in den Raum. Ein gefaltetes Blatt, eine gespannte Membran, eine Hülle, die sich aus einem kompakten Zustand heraus öffnet.
Ausgehend von Recherchen zu Origami-Techniken und technischen Faltstrukturen – etwa Satelliten, die sich im Orbit aus kleinen Paketen zu großen Flächen entfalten – untersucht URHÜLLE Architektur als Prozess der Transformation. Ausgangspunkt ist die Frage nach der minimalen Geste der Behausung: Wann wird eine Hülle zu Architektur?
Die Arbeit versteht Architektur nicht als dauerhaftes Objekt, sondern als temporäre räumliche Konfiguration zwischen Körper, Material und Umgebung. URHÜLLE beschreibt damit eine Architektur, die weniger gebaut als vielmehr entfaltet wird – eine reversible Form, die jederzeit wieder in ihren Ursprung zurückkehren kann.
“Am Anfang die Affenhorde, zum Schluß der verkörperte Weltgeist, in welcher Form aber ließe sich ein solcher Abstand überbrücken? Man schrieb das Jahr 1967, als Stanley Kubrick sich diese nicht wenig knifflige Frage stellte. Der englische Filmregisseur arbeitete gerade an 2001 – Odyssee im Weltraum, dem ersten ernstzunehmenden Science-fiction-Film der Geschichte, der sein Meisterwerk werden sollte. Eine Schlüsselrolle im Script erwies sich als schwer besetzbar: die der außerirdischen Intelligenz. Dem fremden Wesen war die Aufgabe zugedacht, die Menschwerdung der Affentiere allererst in Gang zu bringen und, Millionen Jahre später, die Gattung Mensch schließlich über ihre eigenen Grenzen hinauszuführen. Wie müßte eine Form beschaffen sein, so fragte sich Kubrick, die höchste Intelligenz in evidenter Weise visualisiert? In welchem Material könnte ein solcher Lehrer des Geistes, und zwar eines das Universum insgesamt als Entwicklungsprogramm repräsentierenden Geistes, in Erscheinung treten? Wie müßte etwas aussehen, das das Lernen, das Intelligentwerden als Menschheitsprinzip — in Antizipation dessen Vollendung — symbolisch auf den Punkt brächte? Kubrick entschied, daß die höchste geistige Leistung in einer gelungenen Vereinfachung liegen müsse,[…].”
Wolfgang Pauser, Form und Freiheit
Mit freundlicher Unterstützung von 植木富美子, Nadja Haas und Daniel Matz
Foto: Palma Llopis
Vortrag und Workshop PERFORMING MALANCHOLIA Hochschule für Künste Bremen 2020








